Harald Kurt Liese
Fotos aus dem Frankfurt der 50er und 70er Jahre
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Nachkriegszeit » NSDAP-Gauzentrale, KPD und Weltfrauentag

Die ehemalige Gauverwaltung der NSDAP, hier aber auf einem Foto aus dem Jahr 1951 und mit pazifistischen Spruchbändern anlässlich "40 Jahren Internationaler Frauentag".

Auf den Spruchbändern steht "Wir Frauen dulden kein deutsches Söldnerherr in Westdeutschland" und "Mit den Frauen der Welt für eine bessere Zukunft unserer Kinder". Auf Wikipedia findet sich auch gleich die passende Erlärung für diese Verknüpfung von Weltfrauentag und Pazifismus:

Im Westen veranstalteten Sozialdemokratinnen zwar seit 1948 wieder Frauentage, doch ging die Bedeutung dieses Tages allmählich verloren. Hier war es vor allem das Thema Frieden und der Kampf gegen die Wiederbewaffnung, die [...] angesprochen wurden. Gegen die Wiederbewaffnung entwickelte sich ein breites Oppositionsbündnis, welches auch von Mitgliedern der SPD, der KPD und der bürgerlichen Parteien [...] getragen wurde. Aber es waren vor allem parteilose Christinnen und Pazifistinnen die die Themen Frieden und Abrüstung in den Internationalen Frauentag verankerten.

Quelle: Wikipedia

Das Foto zeigt dazu passend die Bürs der KPD in der Gutleutstraße. Das Telefonbuch von 1951 war eine gute Hilfe:

Quelle: Frankfurter Telefonbuch von 1951

Das Haus hat eine bewegte Geschichte: Um 1900 wurde es als Hotel gebaut. Der jüdische Zigarettenfabrikant Adam Becker verkaufte es 1933 an die NSDAP-Gauleitung Hessen-Naussau, die dort fortan ihren Sitz hatte - im "Adolf Hitler Haus"! (vgl. Pressemitteilung von Jutta Ditfurth). Nach dem Krieg hat dann die Kommunistische Partei das Gebäude "in Beschlag genommen". Nachmieter der KPD wurden später in den 60er Jahren die Landesbildstelle und die hessische Lehrerfortbildung. Heute wird das Haus von Künstlern genutzt, die sich natürlich auch mit der Geschichte des Hauses beschäftigen:

Wenn ich jetzt tagtäglich am Klavier oder an meinem Computer sitze, versuche ich mir das vorzustellen: erst Hotelzimmerchen, dann Nazibüro, Kommunisten-Politzentrale, Lehrerfortbildungsort und jetzt ich. Unter meinem Fenster hing einmal das Hakenkreuz und dann als Großtransparent Stalins Konterfei - Wahnsinn!

Quelle: "Beschwörung der Geister", Frankfurter Rundschau vom 12.01.2009



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Letztes Update: 2012-03-13





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